Interview

Dave Mournian – Meine Motorradreise quer durch Amerika

Liebe*r Träumer*in,

heute habe ich etwas ganz Besonderes für dich. Dave Mournian ist der erste Traumverwirklicher in meiner Interviewreihe. Dave hat ein wahnsinnig tolles Abenteuer erlebt. Er ist auf seiner Motorradreise durch Amerika die Panamericana gefahren. Sie führt von Alaska bis in den Süden Chiles. Lies hier, wie Dave es geschafft hat, seinen Traum zu leben.

PS: Ich habe dir ein paar Bücher und Informationen verlinkt. Es ist also „Werbung, ohne Auftrag“. Für dich entstehen keine Mehrkosten, falls dich ein Buch interessiert!

Hallo Dave. Erst einmal vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst von deinem großen Abenteuer deiner Motorradreise durch Amerika zu berichten. Erzähl uns bitte etwas über dich, damit dich die anderen Träumer*innen besser kennenlernen können.

Dalton Highway

Mein Name ist David (Dave) Mournian und ich bin in Whitley Bay, einer nordenglischen Küstenstadt, 1955 geboren. Die ersten 18 Jahre meines Lebens bin ich lediglich in einem Radius von ca. 80 Kilometer verreist und natürlich nach Schottland, da meine Eltern sich nicht sonderlich fürs Reisen interessierten und das Geld dafür einfach nicht da war. Irgendwann entwickelte ich aber eine große Leidenschaft für Motorräder, welche seit 48 Jahren anhält.

Ich habe seit ich klein war immer Abenteuerbücher und Comics verschlungen und eigentlich immer gedacht, dass ich niemals „wegkommen“ werde, bis ich plötzlich einen Job in London angeboten bekommen habe. Von dort war verreisen so viel einfacher. Ich habe einen völlig spontanen Trip nach Paris gemacht (keine Planung, ich bin einfach losgefahren, weil ich es nicht besser wusste). Dieser Trip hat mein Verlangen nach anderen Kulturen und Orten noch mehr befeuert.

Seit 1986 wohne ich in Süd-West England und reise wann immer ich nur kann.

Erzähl uns ein bisschen über den Traum, eine Motorradreise durch Amerika zu starten, den du schon immer hattest. Seit wann gab es ihn und was hat ihn ausgelöst?

Bis 1979 war ich schon ein paar Mal mit dem Motorrad in Europa unterwegs. Irgendwann las ich ein Buch von Ted Simon „Jupiter’s Travels“. Eine Aufzeichnung über seine Reise um die Welt, mit dem wohl schlechtesten Motorrad was er sich dafür aussuchen konnte… eine Triumph 500. Damals war die Englische Motorrad Industrie, oder besser gesagt das was noch davon übrig war, am Boden und die Qualität extrem schlecht. Aber, eben diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe es mir gewünscht und gehofft… und gewünscht und gehofft… aber ich hatte nie den Mut außerhalb von Europa oder Skandinavien zu reisen. Aber der Traum war immer da…

Was ist passiert, dass du deinen Traum dann doch wahrgemacht hast?

Obwohl ich ein wirklich gutes Leben hatte, begann ich 2011 meinen Job nicht mehr zu mögen. Die Arbeit an sich, die Stunden auf meinem Überstundenkonto und letztlich auch der Stress. Ich wusste es musste sich etwas ändern. Langsam aber sicher drehten sich meine Gedanken immer mehr darum, dass das nicht alles sein konnte in meinem Leben. 2012 kaufte mir meine Freundin (jetzt meine Frau, Jayne), eine kleine Statue von Grumpy (Englischer Name vom Zwerg „Brummbär“ von Schneewittchen). Ich sagte „Danke, aber wofür ist der?“. Sie sah mich an und sagte nur, dass ich langsam aber sicher wegen meines Jobs zu Grumpy mutiere und dass es Zeit ist, etwas dagegen zu tun. Sie sah mir in die Augen und sagte: „JETZT ist die Zeit um den Trip deines Lebens anzugehen, von dem du schon so lange träumst!“. Eine Fahrt über die Panamericana. Ich nahm einen SEHR tiefen Atemzug und stimmte ihr zu, aber ich hatte ehrlicher Weise richtig schiss.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert mit dem Motorrad einmal quer durch Amerika zu fahren?

Die Reaktionen reichten von „Wow, das ist ja großartig!“ oder „Sei nicht dumm. Du wirst dich noch selber in Mexiko umbringen!“ bis hin zu „Was ist mit deinem Haus, deinem Job, deinem Leben, dem Geld…?“. Einige waren total entsetzt wie ich so selbstsüchtig sein konnte Jayne für 6-8 Monate alleine zu lassen. Einige Freunde und Familienmitglieder sagten mir ich solle nicht alleine fahren, aber lustiger Weise, wollte auf Nachfrage auch keiner mitkommen!

Fähre

Wie bist du beim planen vorgegangen. Hast du bestimmte Bücher oder Tools benutzt?

Die meiste Planung bestand darin Karten zu studieren. Ich schaute mir an, was ich WIRKLICH sehen wollte und welche Orte ich besuchen wollte, wenn es irgendwie geht. Zeitgleich las ich ein Buch von Lois Price, die auch einen Trip mit dem Motorrad gemacht hat. Und letztlich habe ich natürlich im Internet recherchiert. Der Großteil meiner Reise war relativ flexibel planbar. Das Einzige, was ich im vornherein gebucht habe war „Die Stahlratte“, eine alte deutsche Fähre, die Menschen und Motorräder innerhalb von 5 Tagen von Panama über die San Blas Inseln nach Kolumbien bringt. Das war eine Möglichkeit über das „Darien Hindernis“ zu kommen. Das Boot an sich war alleine ein fantastisches Abenteuer!

Die meiste Planung habe ich während der Tour selbst gemacht.

So ein Trip ist wahrscheinlich nicht ganz günstig. Wie hast du dich finanziell vorbereitet?

Ich glaube, dass die meisten Menschen oft nicht verreisen, weil ihr Job es nicht zulässt und weil es EINFACH SO VIEL GELD KOSTET! Ich hatte einige Ersparnisse und habe zusätzlich ein paar Dinge verkauft, um Rücklagen aufzubauen. Letztlich war mir aber klar, dass ich diesen Trip so günstig wie irgend möglich gestalten wollte und musste. Und trotzdem war mir mein Traum so wichtig, dass es mir ehrlicherweise egal war, wenn ich hierfür sogar Schulden machen würde. Ich konnte mein Haus noch belasten, mir Geld leihen, mein Motorrad verkaufen… Die Entscheidung war gefallen, egal wie, ich würde diese Reise machen.

Schilderwald

Hattest du Hilfe? Hast du aktiv um Hilfe gebeten?

Vor, während und nach der Reise, hat mich Jayne einfach FANTASTISCH unterstützt. Außerdem hatte ich Hilfe von einem Freund, Chris, der mit mir mein Motorrad technisch vorbereitet hat. Ich habe ihn gefragt, weil er Ahnung von der Elektronik hat, die für mich ehrlicherweise einfach nur ein Mysterium ist. Und ein junger Mann, der mir ein paar Dinge weiterverkauft hat, hat mir noch gezeigt wie man am besten Reifen tauscht. Aber ansonsten war ich meinem Glück oder Pech selbst überlassen.

Was war mit deinem Job? Du musstest doch auch unheimlich viel aufgeben!

Abgesehen vom Geld musste ich eigentlich nur meine Karriere, meinen Job, mein geregeltes Einkommen und meinen Firmenwagen aufgeben. Aber weißt du, wenn ich etwas gelernt habe dann, dass es im Leben weitaus wichtigere Dinge gibt und ich war nie glücklicher.

Was hat dich motiviert weiter zu machen, wenn es mal schwierig wurde?

Als ich die Entscheidung getroffen habe war meine Motivation schon groß, aber als ich es meinen Freunden und der Familie erzählte, wurde sie noch größer. Ich war eigentlich auch gar nicht nervös. Erst als ich den Flug nach New York buchte und die Reisebestätigung in den Händen hielt wurde mir bewusst, was ich gerade tat. Das erste Mal in meinem Leben, machte ich etwas nur für mich, ein riesen Abenteuer und Aufgeben war einfach keine Option. Um mich selber immer wieder zu motivieren habe ich möglichst viel über all die Orte und Länder gelernt die ich sehen würde. Die Aufregung das alles bald in Wirklichkeit zu sehen hat mich angetrieben.

Als ich unterwegs war, schrieb ich einen Reiseblog und lud täglich Fotos und Artikel hoch. Die Kommentare der Leser haben mich immer weiter angetrieben. Ich wollte sie nicht enttäuschen in dem ich aufgebe.

Motorrad Freiheit

Hast du trotzdem mal ans Aufgeben gedacht? Und warum hast du es nicht getan?

Das einzige Mal dass ich ein bisschen ans Aufgeben gedacht habe, war ein paar Tage bevor ich von den „sicheren“ USA ins „unbekannte“ Mexiko und weiter fahren wollte. Ich fragte mich, ob es nicht irgendwie einen heldenhaften Notausstieg gäbe… aber gleichzeitig wusste ich, dass ich mich (und auch andere) damit enttäuschen und es den Rest meines Lebens bereuen würde.

Einige Grenzübergänge in Südamerika waren auch sehr kritisch und ich habe mich öfter gefragt, warum ich das eigentlich alles mache. Aber im Nachhinein sind auch das einfach fantastische Erinnerungen.

Hast du für deine Reise irgendwie trainiert?

6 Monate bevor ich meine Reise angetreten bin, habe ich Spanischunterricht genommen. Ich wusste ja, dass die meisten Länder spanischsprachig waren. Und so schlecht wir Engländer im lernen anderer Sprachen sind, wollte ich wenigstens die Grundlagen kennen. Zusätzlich zum Spanischunterricht habe ich aber nicht trainiert.

Gibt es irgendetwas was du bereust?

Bereuen???? Nur, dass ich das nicht schon Jahre vorher gemacht habe und dass ich nicht schon mehr von der Welt gesehen habe. Ich versuche immer noch die verlorene Zeit, in der ich nicht die Welt erkundet habe, aufzuholen.

Was rätst du anderen Träumern auf ihrem Weg?

Ich bin immer sehr skeptisch wenn jemand sagt „Eines Tages werde ich…“, aber sie werden es nicht tun. Oder die die sagen „Wenn ich irgendwann mal die Chance habe…“. Ich sage so etwas nicht, bis ich mir sicher bin, dass ich es tue. Wir haben ALLE die Möglichkeit unsere Träume umzusetzen, wenn wir es WIRKLICH wollen. Die meisten sind aber nicht bereit, dafür auch zu kämpfen oder vielleicht sogar, etwas aufzugeben.

Danke Dave! Was für ein wahnsinnig tolles Abenteuer… und was für ein Glück, dass wir uns in Kanada auf deinem großen Trip kennengelernt haben!

Sina Hübsch
Sina HübschMentorin & Coach für Traumverwirklichung
Damit aus einem „später“ ein „jetzt“ wird. Bist du bereit deine Träume in Ziele zu verwandeln? Ich helfe dir dabei!
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